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Saftwaage

Obstbaum/ Streuobstwiese

Die Theorie der sogenannten Saftwaage besagt, dass die Leitäste alle auf die gleiche Höhe angeschnitten werden. Dadurch soll ein gleichmäßiger Austrieb aller Leitäste gewährleistet werden.

Einschränkung: Sind die Leitäste ungleichmäßig entwickelt, so würde durch einen Schnitt auf Saftwaage das Ungleichgewicht nur noch weiter gefestigt. Denn auf einen starken Rückschnitt erfolgt ein starker Austrieb und auf einen schwachen Rückschnitt erfolgt ein schwacher Austrieb! Der schwächer entwickelte Leitast muss also stärker zurückgeschnitten werden, der stärkere eher weniger bis gar nicht!

Saftwaage- Pflanzen verstehen!

Wer erfolgreich gärtnern möchte, muß den Begriff 'Saftwaage' kennen. Denn die Gartenarbeit ist auch angewandte Pflanzenphysik. Dieses Prinzip ist schon die halbe Miete für einen grünen Daumen.
Gärtnern ist teilweise auch ein bißchen Hellsehen. Das hat aber wenig mit Zauberei zu tun, sondern ist das Resultat aus dem Verständnis, wie eine Pflanze funktioniert. Deshalb ist es unerläßlich den Begriff der Saftwaage zu kennen! Den Beweis für den folgenden Exkurs in die Pflanzenphysik liefert das Foto. Man sieht, daß der oberste Trieb am stärksten ausgebildet ist, der zweite ein bißchen, und darunter passiert gar nichts mehr. Warum ist das so, und warum ist diese Erkenntnis für einen guten Gärtner absolut unerläßlich?
Im Normalfall haben wir es in mitteleuropäischen Gärten immer mit Pflanzen zu tun, die unten aus einer Wurzel, darüber aus Stamm oder Stengel, und ganz oben aus dem Blattwerk bestehen. Grundsätzlich darf man dabei feststellen, daß die Wurzel dabei das Herz der Pflanze ist. Sie versorgt den überirdischen Teil mit Wasser und Nährstoffen aus dem Boden, während die obere Hälfte dazu dient diese Nährstoffe durch das Sonnenlicht für die Pflanze nutzbar zu machen. Das bedeutet Wachstum... und Wachstum bedeutet sich gegen andere Pflanzen zu behaupten. Diese Prozesse basieren jedoch auf den physikalischen Prinzipien der Verdunstung, Osmose und der Kapillarwirkung.
Für die Pflanze selbst bedeutet das, daß dort wo die Verdunstung am größten ist (nämlich ganz oben, wo das meiste Licht hinkommt) auch das meiste Wasser verdunstet wird. Dadurch steigt die Salzkonzentration in den Zellen der Blätter und wird ohne jegliches Zutun der Pflanze automatisch ausgeglichen. Es ist, wie bereits gesagt, das physikalisch unumgängliche Prinzip der Osmose, daß das aufgenommene Wasser aus den Wurzeln nach oben saugt. Zusätzlich wird dieser Effekt durch die Kapillarwirkung unterstützt. Mikrofeine Adern in Stamm und Stengeln ziehen Flüssigkeiten von selbst in die Höhe. Das kann man mit einem Stück Klopapier, das man nur mit dem unteren Rand in Wasser hält leicht nachvollziehen. Schon nach Sekunden hat sich die Feuchtigkeit von allein nach oben gezogen. Außerdem gibt es ja noch den Luftdruck, der auch in Kopfhöhe etwas geringer ist, als an den Füßen. Allen diesen Prinzipien ist eine Pflanze unterworfen und reagiert dementsprechend.
Mit diesem Wissen erklärt sich aber auch ein weiteres Phänomen:
Wenn man einen Baum, Strauch, Busch oder Rose nicht ungefähr auf die gleiche Höhe schneidet, ist es der oberste Ast, der am besten mit allem versorgt wird. Deshalb wächst er auch am besten und wird im Vergleich zum Rest der Pflanze übermachtig. Im schlimmsten Fall wird er abbrechen, weil er zu schwer wird- mit Sicherheit wird die Pflanze aber asymmetrisch und unästhetisch. Warum dies hier erwähnt wird: Nun wissen Sie automatisch wie sie jedwede Pflanze schneiden müssen, damit sie ihre gleichmäßige Form erhält. Und nun wissen Sie grundsätzlich auch, wie man kümmerliche Triebe fördert. Nämlich indem man die starken Triebe tiefer als den Kümmerling runterschneidet !
Selbstverständlich können Pflanzen auch von unten her zuerst austreiben. Sind sie aber erst mal belaubt, ist der oberste Trieb voll im Licht und beschattet die anderen Äste. Das Prinzip ist also immer das gleiche und nennt sich Saftwaage. Es ist Voraussetzung um die Pflanzen in seinem Garten zu verstehen!





 
 
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